So, so schnell ist das Jahr wieder vorbei und was bleibt? Einiges dieses Jahr würd' ich sagen. Wie schon geschrieben der Schmiedekurs am Anfang des Jahres, Metalfest, Wildwasserkajak-Kurs, Island-Urlaub/Trek, Area47 u. Europameisterschaft Klettern in Imst, dazwischen ein paar Bergtouren und vorletztes Wochenende Landesmeisterschaft Bouldern als Zuseher (wobei nächste Jahr als Teilnehmer). Neben viel klettern in der Halle, sah ich mich nach möglichen berufsbegleitenden Studien um und probierte mich in Elektrotechnik und Maschinenbau weiterzubilden (letzteres endete jetzt im Kauf einer kleinen CNC-Fräse).
Zum nebenbei Hören:
Aber aus all dem, wenn ich mich jetzt so zurückerinnere, stechen am Deutlichsten die Eindrücke von Island hervor. Island hat mir einige Dinge gezeigt und irgendwie steht für mich dadurch das ganze Jahr im Zeichen der persönlichen Entwicklung. Die Überschrift lässt erkennen, dass Island nicht umbedingt der erholsamste Urlaub war, jedoch war er auch nicht so geplant. Der Urlaub war ursprünglich als mehrtägige Trekking-Tour geplant und nur am Anfang und Ende waren Hotels reserviert. Jedoch verschlug es uns dann zwischendurch in eine Jugendherberge von der aus wir dann mittels Bus und Zelt die gesamte Südküste bereisten. Im Endeffekt war es eh eine günstige Fügung wie sich im Nachhinein herausstellte, aber die gesamte Geschichte ist selbst für hier zu lang.
Wichtiger sind für mich die einzelnen Auszüge und Eindrücke, so wie zum Beispiel hier:
In dem Zelt links unten verbrachten wir die 2te Nacht in Island am Rande zum Hochland, wo es eher nach Mondlandschaft aussieht. Hier ist noch alles grün überall wachsen Heidelbeeren und Rauschbeeren, soviele das man sich sozusagen auf Heidelbeeren fortbewegt. Es war echt ein idylischer Abend wir saßen am Fluss und tranken Tee. Wobei mir das Verlangen nach Tee am Abend irgendwie geblieben ist. Nachdem nicht alle Tage so schön waren und es am Abend relativ kühl wurde, gab es nichts schöneres als die klammen Finger an einer warmen Tasse/Becher zu wärmen und auch von innen etwas Wärme zurückzugewinnen. Relativ schnell wurde auch klar das sich die teure Ausrüstung bezahlt machte. Ich hab' ungefähr 1,5 Monatslöhne in meine Ausrüstung für Island investiert und bereute nichts. Vermutlich erklärt das auch meinen jetzigen Fable für Outdoor-Kleidung.
Was wirklich eine schöne Erfahrung war, zeigt das Bild für mich:
Abgesehen von der Ausrüstung ist es vermutlich das wichtigste mindestens einen guten Freund im Gepäck zu haben. Wir kennen uns jetzt schon über ein Jahrzehnt und trotz kleinerer Reibereien aufgrund der nicht wirklich entspannenden Reise, hätte ich mir keinen besseren Gefährten vorstellen können. Er ist vermutlich von der Einstellung her, mir der ähnlichste meiner Freunde und das brachte mich später auch ins Grübeln. Nachdem man auf so einer Reise nicht viele Anreize ausser der Landschaft hat, was aber auch das Ziel war, kommt irgendwann eine Tiefe Ruhe, man hat sein Zelt dabei und etwas zu Essen und zu Trinken, man braucht nicht mehr. Irgendwie stellte sich ein Gefühl von Freiheit ein. Nicht so wie zuhause wo man auch "frei" ist, sondern wo man auch von materiellen Zwängen differenzierter ist/denken kann. Und natürlich bleibt das große Grübeln nicht aus. Bin ich zuhause zufrieden? Mag ich meine Arbeit? Mag ich wie ich mein Leben verbringe? Was möchte ich erleben? In welche Richtung möchte ich mich entwickeln? Ich schätze den gleichen Prozess in noch stärkerer Form machen Leute durch die den Jakobsweg gehen oder anderwertig lange unterwegs oder lange entbehrungsreich Zeit verbringen. Die Erkenntnisse aus diesen Fragen sind mehr oder weniger der Lohn aus dieser/dem Reisen. Um es übertrieben zu formulieren ich hatte das Gefühl nicht als derselbe zurückzukommen als ich weggefahren bin, jedoch in einem sehr positiven Sinne.
Apropos Sinne - natürlich ist Island an einem schönen Tag eine wahre Augenweide, siehe z.b. hier:
Vermutlich lässt sich das alles auch gar nicht in Worte prägen. Auf jeden Fall sollte man das öfters machen: den Rucksack packen und mit einem Freund ins Unbekannte ziehen. Man wird mit Sicherheit an so einer Erfahrung innerlich wachsen.
Und ein bisschen Entspannung war auch dabei:
Bei 10°C Aussentemperatur in einem natürlichen thermalen Becken mit ungefähr 38°C und phantastischer Aussicht:
Hier noch ein Blick was man unter Fernsicht in Island verstehen kann:
Aber das Jahr bestand ja nicht nur aus Island auch wenn es vermutlich die größten Spuren hinterlassen hat.
Auch im Namen des Sports hab' ich große Fortschritte gemacht und ich und meine Jungs haben allerhand miteinander erlebt. Wie z.b. den Kajak-Kurs wobei wasserbedingt leider keine Fotos gemacht wurden.
Glück hatten wir bei einem Anderen Event. Ende September fuhren wir nach Imst um die Kletter-EM anzuschauen. Es war ein großartiges Event jedoch noch aufregender war das Canyoning am nächsten Tag. Nachdem wir in der Area47 im Blockhaus übernachteten (klare Empfehlung). Nutzen wir die Möglichkeit und gingen mit den Guides auf eine Canyoning-Tour. In Kurzform heisst das: rein ins Neopren und per rutschen, abseilen und springen einem Gebirgsbach folgen was sich Ende September als ziemlich erfrischend rausstellte. Siehe hier:

Maxl in Flugpose:

Auf dieser Rutsche nahm man schon einiges an Geschwindigkeit auf:

Im Endeffekt ein wirklich geiles Erlebnis und auch in dieser Form für jeden zugänglich. Wir beschlossen auf Grund des coolen Ambientes in der Area47 an sich und den coolen Ausflugmöglichkeiten (Raften, Canyoning, Caving) einstimmig nächsten Sommer dort Urlaub zu machen.
Naja man siehts förmlich, klettern, kajak, canyoning, es geht Richtung "Extremsportarten". Meine Eltern und andere beunruhigt das verständlicherweise aber ich muss zugeben ich könnte nicht mehr anders. Inzwischen zieht mich fast jede kraftbetonte, kreative und auch risikobehaftete Sportart an. Aber besser als Rauchen würd ich sagen. Beim Klettern umzukommen ist zwar relativ einfach, jedoch relativ einfach ist auch dafür etwas zu tun die Risiken zu mindern. Dagegen ist Rauchen wie russisches Roulette wobei man 5 Kugeln in 6 Kammern hat.
So dieser Jahresrückblick ist deutlich kürzer als der letzte, wobei ich aber glaube das ich mit diesem hier mehr gesagt habe. Allerdings gibt es dieses Jahr auch viel mehr das ich nicht auszudrücken vermag, weil das Jahr voller Lernprozesse, Erfahrung und persönlicher Erkenntnisse war. Wie auch letztes Jahr möchte ich mich für meine aussergewöhnlichen Freunde bedanken, denen es nicht zu blöd ist mit mir Ende September durch einen 8° kalten Gebirgsbach zu waten oder mit mir ans Ende der Welt zu fliegen um die Einsamkeit zu suchen. Ich bin auch dankbar das alles so reibungslos und verletzungsfrei abgelaufen ist. Weiters hab ich dieses Jahr keinen einzigen Krankenstand zu verzeichnen, was auch die gesundheitliche Entwicklung unterstreicht.
Mit meiner geistigen Gesundheit steht es dieses Jahr auch um einiges besser. Ich habe nicht diese für mich typischen Gefühlsschwankungen um diese Jahreszeit, wobei mir selbst aufgefallen ist das ich wohl dieses Jahr mehr aggressives statt depressives Verhalten zeige, was aber auch an ziemlich fordernden beruflichen Umständen liegen mag. Andererseits steht vermutlich der inzwischen dauerhaft eingeschränkte Alkohlkonsum für die positive Entwicklung der geistigen Stabilität. Früher war es oft so das mich Sonntag-Nachmittag nach einem durchzechten Wochenende solche Schwankungen oft trafen, wenn man wieder allein war und schon langsam von seiner Welle runter kam, kam auch das geistige Tief. Naja kurzum kann man wohl sagen das in einem gesunden Körper auch ein gesunder Geist wohnt.
Trotzallem soll der Frühling schnell kommen, wir haben schon allerhand Pläne wenns draussen wieder angenehm wird. Ein weiterer Kajak-Kurs ist geplant und Schulungen in Richtung Mehrseillängen zu klettern. Wobei hier das erste Projekt die Adlerspitze sein wird. Alte Berghasen mögen sich jetzt vermutlich kugeln vor lachen aber nachdem das unsere erste Tour werden soll, ist die Adlerspitze ideal:

Die Adlerspitze steht unterhalb vom Hochlecken-Haus und ist ein 100m hohes Pfeilersystem im Schwierigkeitsgrad 2-3. Wobei ich mich in der Halle gerade probiere im 7ten Grad zu etablieren :)
Naja aber genug davon. Zum Abschluss kann ich nur sagen, dass es ein herausragendes Jahr war und ich wohl Schwierigkeit haben werde das nächste Jahr vom Umfang der Erfahrungen von Schmieden bis Canyoning nochmal zu toppen. Aber eines ist klar, ich werde es probieren und mit Dingen wie den ersten Mehrseillängen und hoffentlich der Wildwasserbefahrung der Salza endgültig die Limits sprengen was "normale" Leute so tun. Ich freue mich schon auf dieser Adlerspitze zu stehen und auf den Attersee runter zu sehen, oder den Leuten im Wirtshaus Kienklause zuzuwinken.
In diesem Sinne wünsche ich allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch (soweit ist ja nicht mehr hin). Bleibt gesund und neugierig.
lg Stef
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